"Nachgedacht"

"Ich will MEIN Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben."

Mit diesen Worten kündet der Prophet Jeremia eine neue Zeit an, bestimmt von einem neuen Bund Gottes mit seinem Volk.

Die erste Stufe in der morali-schen Entwicklung ist die der Übernahme von überlieferten Regeln, die das Zusammenleben gelingen lassen sollen.

Interessanterweise führt die biblische Tradition die Grundregeln für ein gelingendes Zusammenleben auf Gottes wirkmächtiges Wort zurück. Gott selbst hat Mose die Grundregeln gegeben, nach denen Menschen sich verhalten sollen.

Das Volk, das vorher in Ägypten unter Bedingungen der Sklaverei existierte, soll nun befähigt wer-den zu einem gelingenden Leben in Freiheit. Und Freiheit, das bedeutet immer auch: die Freiheit sich zu entscheiden: dies zu tun und jenes zu lassen. Die Freiheit, in eigener Entscheidung zu einem gelingenden Miteinander beizutragen. Gott vertraut ihnen sein lebendig machendes, wegweisendes Wort an.

Gott traut es dem Menschen zu und mutet es ihm zu, seine eige-nen Entscheidungen zu treffen, in eigener Verantwortung. Fehl-entscheidungen sind möglich. Ein Verfehlen des Gotteswillens, „Sünde“ genannt, ist eine Möglichkeit, die Gott dem Menschen einräumt. Sei es, dass jemand die Folgen seines Tuns nicht genügend bedacht hat, sei es, dass da jemand glaubt, diese Regeln seinem eigenen Gutdünken anpassen zu können.

Die Propheten haben zu ihrer Zeit den Finger auf den wunden Punkt gelegt, wenn die Mächtigen glaubten, das Recht beugen zu können. Auch ein König wie David musste sich von Nathan zu Recht weisen lassen. Das göttliche Recht steht über den Eigeninteressen der Men-schen.

Zu dieser ersten Stufe der moralischen Entwicklungsgeschichte gehört, dass das Gesetz, die Le-bensregeln befolgt werden, weil ein Zuwiderhandeln sanktioniert wird. Was dazu führt, dass schnell das Bewusstsein entstehen kann: was keiner sieht, was keiner weiß, kann kein Unrecht sein. Ohne Ankläger keine Anklage, kein Urteil.

Erst wenn das Gesetz, die guten, förderlichen Lebensregeln verinnerlicht werden, wenn sie zur eigenen Handlungsmotivation werden, hat der Mensch die zweite Stufe seiner moralischen Entwicklung erreicht. Der Mensch nimmt sich die Regeln, die Gott für das Zusammenleben vorgesehen hat, zu Herzen. Er lebt aus dem, was sein Herz ihn zu tun und zu lassen heißt.

Das Herz ist also im Hebräischen nicht allein, wie in den Schlagern unserer Zeit, der Sitz der Gefühle, sondern ist die integrierende Mitte seines Person-Seins. Die Fähigkeit, sich einfühlen zu können in andere Personen, „barm-herzig“ sein zu können, ist ein ganz wesentliches Merkmal des Mensch-Seins.

Dies gelingt, wo Menschen nicht einfach unreflektiert die moralischen Werte und Normen der Gesellschaft, der Eltern, der Autoritäten übernehmen und sich richten nach dem, was „man“ tut, wie „man“ sich richtig verhält, sondern in einen Klärungsprozess eintreten, in dem die überlieferten Normen und Werturteile kritisch reflektiert werden.

Ist Gehorsam und Pflichterfüllung ein absoluter Wert? Im Lebensvernich-tungssystem des dritten Reiches und anderer Diktaturen zeigte sich, dass dies zur Stabilisierung eines grausamen Un-rechtssystems beigetragen hat.

Nicht blinder Gehorsam, sondern Verstehen und Mitverantwortung zu übernehmen für die Schöpfung: das ist der Auftrag, den Gott dem Menschen auf-gegeben hat bei der Schöpfung.

Werde Mensch! Sei und bleibe unabhängig in deinem Urteil von allen Versuchen, dich unter Druck zu setzen und eine Anpassung an Normen und Werte zu erzwingen, die du nicht vertreten kannst!

Wo ein Mensch dem folgt, was er selber im Gespräch seines Herzens, im Dialog mit der göttlichen Wirklichkeit für wahr und richtig und gut erkannt hat, unabhängig davon, was andere dazu meinen und einfordern, da entsteht eine starke Widerstandskraft gegen die Versuchung einer vorschnellen Anpassung, eines Kadavergehorsams. Da wird ein Mensch frei, ganz Mensch zu sein: widerständig gegen Autoritätsgehabe, mitfühlend mit denen, die Not leiden. Da geschieht Gottes Willen. Da werden auch andere ermutigt, frei zu sein und das zu leben, was Gott in sie hinein gelegt hat.

Barbara Falk

 

Gottesdienste

22. November, 19:00 Uhr:

Ökomenischer Gottesdienst am Buß- und Bettag

gehalten von Pfarrer Falk und Gemeindereferent Alenfelder mit anschließendem gemütlichen Beisammensein

in der katholischen Kirche Sankt Anna

26. November 10:00 Uhr:

Gottesdienst mit Abendmahl am Ewigkeitssonntag

gehalten von Pfarrer Falk

mit Kindergottesdienst

26. November 15:00 Uhr:

Andacht auf dem Friedhof

gehalten von Pfarrer Falk

Foto: Twicepix (flickr)
Foto: Twicepix (flickr)

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