"Nachgedacht"

Nes Ammim - Die Rose als Zeichen (Jesaja 11,10)

Von Rainer Maria Rilke wird erzählt, dass er mit seinem Freund durch die Straßen von Paris zu gehen pflegte. Sie beobachteten eine Bettlerin, die Tag für Tag an der gleichen Stelle saß und bittend die Hand aufhielt. Manchmal gab ihr jemand eine kleine Münze, gelegentlich auch einen größeren Betrag. Die meisten Menschen jedoch gingen achtlos an ihr vorüber.
Rainer Maria Rilke blieb stehen, ging dann ein Stück zurück und kam mit einer Rose wieder, die er der Frau gab. Sie nahm die Rose, erhob sich und ging fort. Mehrere Tage lang erschien sie nicht an ihrem angestammten Platz. Dann aber war sie wieder dort und bat wieder um Almosen.
„Wovon hat sie die letzten vier Tage gelebt?“ wunderte sich der Freund. „Vom Duft der Rose.“ antwortete Rilke.

Kann man satt werden von einem Zeichen, von einer Geste der Zuwendung und Aufmerksamkeit? Kann eine Rose so viel Bedeutung bekommen, dass sie wie ein kostbarer Schatz gehütet wird? Dass der Empfang einer solchen Rose zu einer Unterbrechung des Alltäglichen und Gewohnten führt? Kann eine Rose ein Zeichen sein für etwas ganz Neues und Anderes als das Altvertraute?
Es war nur ein kleines Zeichen, das Rainer Maria Rilke setzte, aber es war ein sehr sprechendes Zeichen. Ein zu Herzen gehendes Zeichen.
Vertraut ist uns das Symbol der Rose aus einem Weihnachtslied: "Es ist ein Ros entsprungen.“
In Anspielung an Jesaja 11 wird Christus als „Rose“ – wörtlich übersetzt müsste man sagen „Reis“„ oder „Spross“ – besungen, der Neues bringt, Neues erwachsen lässt aus einem abgehauenen Stamm.
Im Buch Jesaja wird dies von Gott seinem Volk zugesagt und verheißen. Wie aus dem Stumpf eines umgestürzten Baumes neue Triebe wachsen und so neues Leben möglich wird, so soll für das Volk Israel nach Jahrzehnten und Jahrhunderten der Deportation, des Lebens in der Diaspora eine neue Existenz möglich werden.


Und es wird geschehen, dass das Reis aus der Wurzel
Isais dasteht als Zeichen für die Völker. (Jesaja 11,10)

 

Sieger Köder hat dies in einem sehr ausdrucksstarken Bild in Farbe gesetzt: ein brauner Stumpf, aus dem eine rote Rose erwächst. Zeichen der Hoffnung auf ein Neues, nach dem Grauen und Schrecken der Vergangenheit.
Nach der Shoa, der Vernichtung eines Großteils der Juden in Europa, wollten Christen in Israel ein Zeichen setzen und gründeten eine Siedlung mit dem Namen „Nes Ammin“, „Zeichen für die Völker“. Bewusst wurde dieser Name gewählt, bewusst auch wurde entschieden, in Gewächshäusern Rosen zu züchten – Zeichen neuen Lebens, in einem neuen, von Frieden und Verständigung geprägten Miteinander.
Einen Friedensprozess gestalten, das bedeutet: eine Begegnung auf Augenhöhe, zunächst zwischen Christen und Juden (unter ausdrücklichem Verzicht auf eine „Judenmission“, in der Besinnung darauf, dass wir, Christen wie Juden, die gleiche Wurzel haben, aus dem gleichen Traditionsgrund schöpfen), jetzt vor allem auch durch Dialog-Seminare zwischen Juden und Arabern.

Ein Zeichen für die ganze Völkerwelt:

Frieden wird möglich, wo nach Verständigung gesucht wird. Wo Menschen einander ernst nehmen in der Unterschiedlichkeit ihrer Sichtweisen, ohne vom Gegenüber zu verlangen: Du musst das aber so sehen, wie ich das sehe, du musst meine Überzeugung übernehmen.
Frieden wird möglich, wo Unterschiede in der Wahrnehmung nicht zur Trennung führen, sondern Menschen einander respektieren. Nicht die Differenzen werden in den Mittelpunkt gestellt, sondern das gemeinsame
Anliegen: ein Zusammenleben in Frieden, in Toleranz, in gegenseitigem Respekt.
Ein Zeichen für alle Völker, für alle Menschen. Auch wir können einander ein Zeichen des Friedens schenken.
SCHALOM! SALEM! Friede sei mit dir!

Pfarrerin Barbara Falk

Gottesdienste

22. November, 19:00 Uhr:

Ökomenischer Gottesdienst am Buß- und Bettag

gehalten von Pfarrer Falk und Gemeindereferent Alenfelder mit anschließendem gemütlichen Beisammensein

in der katholischen Kirche Sankt Anna

26. November 10:00 Uhr:

Gottesdienst mit Abendmahl am Ewigkeitssonntag

gehalten von Pfarrer Falk

mit Kindergottesdienst

26. November 15:00 Uhr:

Andacht auf dem Friedhof

gehalten von Pfarrer Falk

Foto: Twicepix (flickr)
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