Predigt am 19.5.2013 (Pfingstsonntag)

gehalten in Hangelar

über 1. Korinther 2, 12-16

(Predigtreihe IV)

von Pfarrer Hans-Georg Falk

"Wes' Geistes Kinder sind wir?"

Liebe Gemeinde!

Wir feiern Pfingsten – Pfingsten, den Geburtstag der christlichen Kirche.

Es ist nach Weihnachten und Ostern das 3. Christliche Fest, das wir mit 2 Feiertagen, dem Pfingstsonntag und dem Pfingstmontag und mit mehr oder weniger Schulferientagen feiern.

Und doch wissen heutzutage viele Menschen mit dem Pfingst-fest nicht mehr viel anzufangen. Die meisten Menschen unserer Tage sehen sich halt die Kirche nur noch von außen an – warum sollten sie dann auch den „Geburtstag der Kirche“ feiern?

Und mit dem „Heiligen Geist“, den Gott damals an jenem ersten Pfingstfest der ersten Christengemeinde geschenkt hat, können heutzutage noch weniger Leute etwas anfangen. Kein Wunder also, wenn zahlreiche Menschen ihr spezielles „Pfingsterlebnis“ im Stau auf der Autobahn haben. Kein Wunder, wenn nach der Abschaffung des Buß- und Bettags mancher Politiker auch mal gerne laut über die Abschaffung des 2. Pfingstfeiertages nachdenkt.

Pfingsten, das ist tatsächlich nur noch ein Feiertag für diejeni-gen, die überdurchschnittlich von der christlichen Botschaft „be-geistert“ sind.

Fragen wir also mal genauer nach, was Pfingsten uns Menschen des 21. Jahrhunderts zu sagen hat.

Nun, im Grunde genommen stellt uns Pfingsten eine ganz aktu-elle, schwerwiegende Frage: „Wes‘ Geistes Kinder seid ihr?“ – „Von welchem Geist lasst ihr euch bestimmen – im Glauben und im täglichen Leben?“

Manchmal ist es erschreckend, wenn wir uns bewusst machen, welcher Geist Menschen bei ihrem Handeln bewegt.

Welcher Geist bewegt die Menschen, wenn sie in Syrien und anderen Bürgerkriegsländern zu den Waffen greifen, Städte bombardieren, Menschen totschießen, Gegner foltern?

Welcher Geist regiert Menschen, die in solche Länder Waffen liefern?

Welcher Geist regiert, wenn Näherinnen in Bangladesch für einen Hungerlohn und unter lebensgefährlichen Arbeitsbedin-gungen unsere Hosen, Kleider und T-Shirts nähen?

Welcher Geist regiert, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer über neue Tarifabschlüsse verhandeln und um Prozente feil-schen, während Zeitarbeiter und Saisonarbeiter für Billiglöhne ausgebeutet werden?

Welcher Geist regiert, wenn bei den Schwachen unserer Gesellschaft, den Kranken, den Pflegebedürftigen, den Arbeitslosen, den Hartz IV-Empfängern gekürzt wird, weil Schwache kaum eine Lobby haben und als Wählerstimmen kaum Gewicht haben.

Welcher Geist regiert, wenn Eheleute im Streit auseinander gehen und Kinder zwischen den Ansprüchen der Eltern hin und her gerissen werden?

Oft hat man den Eindruck, die Menschen wären „von allen guten Geistern verlassen“. Manchmal sollte man besser vom „Ungeist“ sprechen, der die Welt regiert.

Was für ein Geist hat sich da in unserer Welt breit gemacht, so dass alle Visionen von einer besseren Welt, die uns vielleicht begeistern und zu Veränderungen antreiben könnten, dagegen nicht ankommen?

Pfingsten gibt uns den Anstoß, einmal ganz nüchtern zu fragen: „Wes‘ Geistes Kinder sind wir eigentlich?“

Paulus nennt in seinen Briefen ein paar Gesichtspunkte, an denen wir feststellen können, ob uns Gottes Geist bestimmt oder ein „Ungeist“.

Denn den Christen ging es damals in Korinth nicht besser als uns. Sicher, sie wussten, dass Gottes geist sie leiten sollte. Aber das tägliche Leben mit all seinen Problemen, der Überlebenskampf in einer heidnischen Umwelt, die sozialen Unterschiede in der Christengemeinde, die Predigt falscher Apostel, Streit in Glaubensfragen – all das lässt wenig davon erkennen, dass Gottes Geist in ihrer Mitte ist.

Paulus möchte ihnen und uns helfen, Gottes Geist des Lebens von jenem „Ungeist“, der sich in der Welt breit macht, zu unterscheiden.

 Gottes Geist führt Menschen zusammen – der „Ungeist“ der Welt trennt Menschen.

 Gottes Geist will lebenswertes Leben für alle Geschöpfe – der „Ungeist“ der Welt gefährdet Leben oder macht es kaputt.

 Gottes Geist will Zukunft eröffnen – der „Ungeist“ der Welt lässt Zukunft im Chaos versinken.

 Gottes geist schenkt Leben – der „Ungeist“ der Welt verlangt Opfer und fragt nach dem Nutzen.

Wenn wir so Gottes Geist und den „Ungeist“ der Welt gegenüber stellen, wird uns bewusst, wie sehr dieser „Ungeist“ unsere Welt prägt – in fernen Ländern, in der Politik, in der Wirtschaft und auch im tagtäglichen Zusammenlebenm sogar in der Kirche.

Wo bleibt denn da Gottes Geist?

Hat Gottes Geist in dieser Welt überhaupt noch einen Platz zwischen all den „Un-Geistern“?

„Ja!“, sagt Paulus damals den Christen in Korinth. Und „Ja!“ sagt er auch uns Christen des 21. Jahrhunderts. „Gottes Geist hat nach wie vor seinen Platz in unserer Welt!“

Und so hören wir, was Paulus uns in 1. Korinther 2, 12-16 zu sagen hat:

12 Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.

13 Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen.

14 Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.

16 … Wir aber haben Christi Sinn.

 

Ja, liebe Gemeinde, das will uns Paulus zu Pfingsten sagen: Gottes Geist ist unter euch – auch wenn sich der „Ungeist“ der Welt deutlicher bemerkbar macht.

„Wir aber haben“, so sagt Paulus, „nicht empfangen den Geist (man müsste wohl besser sagen: den „Ungeist“) der Welt, sondern den Geist aus Gott!“

Woran erkennen wir Gottes Geist?

Paulus gibt uns ein unerwartetes Erkennungszeichen: Gottes Geist ist da, wo wir erkennen „was uns von Gott geschenkt ist“.

Wir sollen also bewusst einmal den Blick von all dem Schlimmen lösen, was uns der „Ungeist“ der Welt beschert – denn allzu leicht werden wir dann Gefangene dieses „Ungeistes“ statt uns der Herrschaft von Gottes Geist anzuvertrauen. Wenn wir nur noch vor Schreck oder Entsetzen erstarrt auf die Auswirkungen jenes „Ungeistes“ starren, wird Pfingsten uns nicht berühren, werden wir Gottes Geist übersehen.

Deshalb sollen wir bewusst den Blick richten auf das, was uns von Gott geschenkt worden ist:

 Uns ist Gemeinschaft geschenkt - hier in der Kirche, in der Familie, in der Nachbarschaft, in Beruf und Schule – Gemeinschaft, in der Gottes Geist zu Hause sein und Gutes wirken kann.

 Uns ist Glück und Zufriedenheit geschenkt – wir sind satt und versorgt, können uns an den schönen Dingen des Lebens freuen und uns sogar den einen oder anderen kleinen Luxus leisten – Glück und Zufriedenheit sind eine gute Atmosphäre für Gottes Geist, der uns erkennen lässt, wie unser Leben gesegnet ist.

 Manchmal erleben wir Krankheit, haben Angst um den Arbeitsplatz und sind in Sorge vor der Zukunft. Wie oft haben wir dann aber auch schon erfahren, wie Gottes Geist einen Ausweg findet und uns Zukunft geschenkt wird!

Ja, Gottes Geist lässt uns all das erkennen, was uns von Gott geschenkt wird. Und das hat Konsequenzen:

 

Die 1. Konsequenz:

Wir erhalten neue Einsichten

Wenn wir all das, was wir an Gutem in unserem Leben haben, als Gottes Geschenk ansehen, dann wird unser Blick im Laufe der Zeit immer schärfer für Gottes gute Gaben. Und wir werden achtsamer im Umgang damit. Was einem gehört, darüber ver-fügt man nach Gutdünken – mit einem Geschenk hingegen geht man achtsamer um und hält es in Ehren.

Unsere Erde ist reich an Bodenschätzen. Der „Ungeist“ der Welt beutet sie rücksichtslos aus – Gottes Geist lehrt uns, sie als Geschenk anzusehen, das wir nutzen dürfen aber auch bewahren sollen.

Manche Menschen betrachten den Ehepartner oder die Kinder als Besitz, mit denen sie nach Belieben umspringen. Gottes Geist gibt uns die Einsicht, dass und der Ehepartner und unsere Kinder von Gott als kostbare Gaben anvertraut sind. Wir dürfen glücklich miteinander sein, sollen uns aber auch gegenseitig helfen und fördern.

 

Die 2. Konsequenz:

Wir erhalten eine neue Lebenseinstellung

Wir leben ja alle in einer sog. „Leistungsgesellschaft“. Diese Leistungsgesellschaft ist von dem „Ungeist“ geprägt, dass nur Leistung zählt. Wer nichts leistet, ist wenig angesehen, im Grunde genommen „nutzloser Ballast“ – so lehrt uns der „Ungeist“ der Leistungsgesellschaft und setzt an den Anfang die „Aufgabe“. Dort jedoch, wo Gottes Geist wirkt, erkennt man, dass am Anfang nicht die „Aufgabe“, sondern die „Gabe“ steht, nämlich Gottes Gabe des Lebens, der Gesundheit, der Begabungen.

Die Leistungsgesellschaft stellt dann gerne auch gleich neben die „Aufgabe“ die „Anforderung“, die sich aus der Aufgabe ergibt und und den Menschen zum Getriebenen macht. Wo uns hingegen Gottes Geist berät, erkennen wir neben der „Gabe“ das „dankbare Empfangen“, das uns motiviert, von Gottes Gaben reichlich auszuteilen und Segen weiter zu geben.

Und wenn wir uns dann auf unsere Körperteile besinnen, dann wird uns klar, dass der „Ungeist der Welt“ vor allem gerne unseren Ellenbogen benutzt, während Gottes Geist uns die Hand ausstrecken lässt, um etwas zu geben oder Versöhnung zu stiften.

Und wenn wir dann noch einen Blick auf die Wirkungen wer-fen, dann erkennen wir, dass uns der „Ungeist der Welt“ oft in Furcht versetzt. Gottes Geist hingegen erweckt in uns „Ehrfurcht“, Ehrfurcht vor Gott, vor dem Leben, vor dem Mitgeschöpf. Oder eine andere Wirkung: Der „Ungeist der Welt“ führt den Menschen oft in die Isolation – Gottes Geist hingegen stiftet Gemeinschaft. Der „Ungeist“ zielt auf Macht, Gottes Geist schenkt „Vollmacht“.

Eine 3. Konsequenz:

Wir deuten unsere Erfahrungen neu

Unterschiedliches begegnet uns in unserem Leben: Erfolge und Misserfolge, Schönes und Trauriges, Mut Machendes und Nie-derschmetterndes. Gottes Geist leitet uns an, all das, was wir erleben, neu zu deuten.

Unser Predigttext schließt mit einem Hinweis auf Jesus Christus. „Wir haben Christi Sinn“ – das bedeutet: wir sehen manches etwas anders als andere Leute; eben mit Jesu Augen. Sein Weg ans Kreuz ist nach den Maßstäben der Leistungsgesellschaft ein Weg des totalen Scheiterns und Versagens. Der Geist Gottes aber erschließt uns diesen Weg in den Tod als Weg zum Leben. Auch das, was in unserem Leben als Scheitern oder Misserfolg erscheint, kann unter diesem Blickwinkel umgedeutet werden als Chance zum Neubeginn, als Geschenk von neuen Möglichkeiten.

 

Pfingsten 2013.

Gottes Geist weht durch die Welt.

 Hören wir sein Brausen?

 Sehen wir sein Feuer?

 Spüren wir sein Drängen?

Gottes Geist öffnet uns die Augen zu sehen, was uns von Gott geschenkt ist.

Und unser Leben wird er bewegen.

Amen.

 

Gottesdienste

22. November, 19:00 Uhr:

Ökomenischer Gottesdienst am Buß- und Bettag

gehalten von Pfarrer Falk und Gemeindereferent Alenfelder mit anschließendem gemütlichen Beisammensein

in der katholischen Kirche Sankt Anna

26. November 10:00 Uhr:

Gottesdienst mit Abendmahl am Ewigkeitssonntag

gehalten von Pfarrer Falk

mit Kindergottesdienst

26. November 15:00 Uhr:

Andacht auf dem Friedhof

gehalten von Pfarrer Falk

Foto: Twicepix (flickr)
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